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K.L.

Ich habe ja eine ganze Weile hier in Melbourne am RMIT in Sachen Luftfahrt rumstudiert. Naturgemäß stammen die Beispiele hier dann meist nicht aus Europa, sondern eben aus Australien oder der Region, die Australien am Nächten liegt und in der ohnehin die Wachstumsmärkte der Zukunft liegen – Asien.
Eine Sache habe ich aber nie verstanden, wenn die Reihe der großen Drehscheiben in Asien erwähnt wird, Singapur, Hong Kong, Guangzhou, Peking, dann kam auch immer Kajell vor. Lange habe ich mich gefragt, was gemeint sein könnte, irgendwann habe ich mir gedacht, dass sie KUL, den IATA-Code für den Flughafen von Kuala Lumpur, meinen könnten und das U nur irgendwie verschlucken. Stellt sich raus, hier in der Region wird Kuala Lumpur einfach nur mit K.L. abgekürzt und nicht nur von den Australiern, wobei ich bezweifle, dass sie Kuala Lumpur tatsächlich aussprechen können, zum einen, weil ich noch nie einen Australier habe Kuala Lumpur sagen gehört habe, andererseits, weil die Abkürzung ja eigentlich auch unnötig ist, sind es doch nur 2 Buchstaben mehr als Beispielsweise Singapore und Hong Kong wird auch nicht H.K. abgekürzt…
Jedenfalls hat es mich genau in dieses K.L. verschlagen.

Nach einem nur 45minütigem Flug mit Air Asia, die ich mal als Easyjet Asiens, weil ich Ryanair ja schon an Tiger Airways vergeben habe, bezeichnen will.
Wie das so ist mit den Billigfliegern, bin ich dann auch leider nicht am schönen, modernen Terminal angekommen, sondern am Low Cost Carrier Terminal. Leider bedeutete das nicht nur, dass das Terminal selbst eher den Charme einer Wellblechhütte hatte, sondern auch, dass ich statt per Expresszug in 20 Minuten, über eine Stunde mit dem Bus ins Zentrum von K.L. (sic!) fahren musste.
Deshalb bin ich dann auch erst kurz vor Mitternacht in meinem Hostel angekommen, was schade war, da es sich nicht nur um das günstigste, sondern auch das beste Hostel meiner bisherigen Reise gehandelt hat. Einerseits gab es statt Doppelstockbetten eine Art übergroßes Regal, in dem jeder eine eigene sehr große Schlaffläche inklusive eigener Steckdose, Leselampe und Vorhang hatte – ungekannter Luxus. Andererseits war das Gebäude nicht nur von außen nett anzuschauen, sondern auch von innen modern und verfügte über eine Dachterasse mit Blick auf die Petronas-Towers.

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Das erste Hostel, bei dem ich tatsächlich traurig war, dass ich nicht noch einen Nacht länger bleiben konnte.
Die Kürze meines Aufenthalts war auch der Grund, wieso ich mich für den eher touristischen Weg Kuala Lumpur zu erkunden entschieden und mich einer Bustour angeschlossen habe. Auch meine vom vielen Laufen in Perth und Singapur erneut geschundenen Füße waren sehr dankbar für diese Entscheidung.
Ein bisschen laufen mussten die Füße aber trotzdem, da ich mir am frühen Morgen ein Ticket für die Auffahrt zur Besucherplattform der Petronas-Towers sichern wollte, was auch geklappt hat. Die Bustour sollte bis 16:30 gehen, 20 Minuten Fahrt mit der Metro vom Hostel zu den Towers, Ticket für 18:00, gar kein Problem, sollte man denken…
Erster Stop sollte eigentlich die Nationalmoschee sein, immerhin ist Malaysia ein muslimisches Land. Dieser Stop musste allerdings zunächst ausfallen, da ich an einem Freitag, dem Sonntag des Islams, in Kuala Lumpur war. Stattdessen ging es zum Kriegsdenkmal vom gleichen Künstler wie das Iwo Jima – Denkmal der Amerikaner. Gewissen Ähnlichkeiten sind durchaus erkennbar…

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Anschließend ging es zum buddhistischen Thean Hou Tempel.

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Quasi in dessen Hinterhof befindet sich eine Schildkrötenkolonie, die angeblich mal klein angefangen hat. Inzwischen stapeln sich die Schildkröten aber…

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Als nächstes ging es zu einem Platz in der Innenstadt. Dort gab es ein eher unterweltigendes Modell der Stadt zu begutachten. Immerhin konnte man hier den Gegensatz zwischen traditioneller und moderner Architektur begutachten.

20130713-002539.jpgAuch die britische Tradition kann hier, wie fast überall in der Region bewundert werden: Ein Kricketfeld.

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Der nächste, eher kurze Stop war dann vor dem Palast des malaysischen Königs, inklusive stoischen Wache in lustig aussehenden Uniformen. Wobei man wohl eher der malaysischen Könige sagen muss, das System ist etwas kompliziert. Es gibt 9 Könige, alle 5 Jahre kommt nach dem Rotationsprinzip ein Anderer dran. Sind sich alle anderen einig kann der aktuelle König aber auch abgesetzt werden. Ist ja auch ne Art Demokratie irgendwie…

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Als Nächstes stand eine Stärkung an, diesmal malaysisch, auch wenn ich auf das Essen von einem Bananenblatt, wie es eigentlich Tradition ist, verzichtet habe.

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Schön war, dass das Gericht aus vielen kleinen Bestandteilen zum probieren bestand. Unschön war, dass es für meinen (zugegeben zarten) Geschmack doch sehr scharf war. Auch ein dänischer Mitreisender bestätigte mir, dass das Gericht eher zu den schärferen Speisen, die er in Asien bisher gegessen hat, gehörte. Der malaysische Fahrer und Guide hingegen meinte, es wäre eher eine durchschnittliche bis milde Speise…

Die Stärkung war trotzdem bitter nötig, da als nächstes die 272 steilen Stufen zu den Batu-Höhlen anstanden. Die Höhlen werden von einer 43 Meter hohen, goldenen Statue des hinduistischen Kriegsgottes Murugan bewacht.

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Neben dem Kriegsgott werden die Höhlen außerdem von einigen Makakenäffchen bewacht, die ganz und gar nicht scheu sind und sich bevorzugt über Essen und zuckerhaltige Getränke der Touristen hermachen. Wir wurden vor dem Aufstieg gewarnt, uns den Äffchen nicht zu sehr zu nähern, da sie gerne auch in Finger beißen und man sich nie so sicher sein kann, worin sie ihre Zähne vorher so hatten…

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Im inneren der Höhlen befinden sich mehrere hinduistische Schreine. Andere Bereiche wurden möglichst natürlich belassen.

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Zwar kann man Touren machen, aber dafür blieb während der Bustour natürlich nicht genügen Zeit, denn der nächste Programmpunkt wartete schon, eine örtliche Zinnmanufaktur.

Die Zinnverarbeitung war eine der wichtigsten Industrien in der Geschichte Kuala Lumpurs, weshalb man heute noch sehr stolz darauf ist. Bei Royal Selangor, in deren Besucherzentrum wir eine Führung mit kurzem Blick in die Manufaktur bekommen haben, ist man auf zwei Dinge besonders stolz. Einerseits macht man die Pokale für die lokalen Forme1-Rennen, andererseits hat man sich den größten Bierkrug der Welt vor die Tür gestellt.

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Da der Verkehr immer dichter wurde, musste der Besuch der Nationalmoschee leider ganz ausfallen, sodass der erste und an Freitagen letzte Programmpunkt leider ganz ausfallen musste. Zu diesem Zeitpunkt hat der Guide die Fahrzeit zurück zum Hostel auf eine halbe Stunde geschätzt, was mir noch eine Stunde im Hostel gegeben hätte, bevor ich in Ruhe meinen Weg zu den Petronas Towers hätte finden können. Leider standen wir dann doch etwas im Stau. Und mit etwas meine ich lange. Die Staus sind auch der Grund, warum viele Einheimische eher auf Motorroller und -räder setzen, auch als Familienfahrzeug Mein persönliches Highlight war die 4-köpfige Familie. Kleines Kind ganz vorne, dann der Vater mit den Händen am Lenker, an ihm hält sich die Mutter fest und an ihr wiederum ein etwas größeres Kind. Alle natürlich ohne Helm und alles, was auch nur nach einer halben Lücke aussieht ausnutzend. Kein Ungewöhnlicher Anblick in den Straßen Kuala Lumpurs, der ganz normale Wahnsinn…

Nach eineinhalb Stunden am Hostel angekommen, musste ich mich dann doch etwas mehr beeilen, als mir lieb gewesen wäre. Trotzdem war ich rechtzeitig am Fuß der Türme um zunächst zur „Skybridge“, der Brücke zwischen den beiden Türmen im 41. und 42. Stock, aufzufahren. Der obere Teil der Brücke wird von den Mitarbeitern von Petronas genutzt um schneller zwischen den beiden Türmen wechseln zu können, der untere Teil steht mir Tourist zur Verfügung.

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Blick nach unten und ein Blick auf den „kreativen“ Verkehr…

Nach 20 Minuten dort ging es dann noch in den 88. Stock für einen Blick von der oberen Aussichtsplattform.

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Dann hieß es auch schon Abschied von K.L. nehmen, meine Sachen einsammeln und zurück zum Flughafen, zur Low Cost Baracke, aufbrechen.

Für einen 5-Stunden Flug, der 100€ gekostet hat, kann man vermutlich nicht viel erwarten, aber es ging in einem A330 der Air Asia X, der mehr Platz als erwartet – und mehr als Tiger Airways – geboten hat, sodass ich tatsächlich ganz gut schlafen konnte auf den fünfeinhalb Stunden, zurück nach Perth.

Etwas mit dem Kopf schütteln musste ich aber schon, immerhin bin ich ja geschulter Sicherheitsbeauftragter im Luftverkehr, als die Boardkarten erst auf dem Vorfeld kontrolliert wurden, sodass eine riesige Menge Menschen relativ unbewacht über das Vorfeld irrte und sich vor den Treppen staute. Andererseits, da ist auch nix schlimmes passiert…IMG_3160

 
Ein Kommentar

Verfasst von - Juli 14, 2013 in Uncategorized

 

… in the world!

Nach Singapur ging es, hauptsächlich des Preises wegen und trotz meinen Erfahrungen auf dem Flug von Sydney nach Melbourne, mit Tiger Airways. Tiger ist so etwas wie die Ryanair von Australien, dementsprechend eng sind die Sitze und es gibt keinen Service, wenn man nicht bezahlt. Der Flug war sehr gut gebucht, sodass mir 5 Stunden in einem sehr engen und sehr vollen Flugzeug bevorstanden. Glücklicherweise war der ungefähr einzige freie Sitz im Flugzeug direkt hinter mir, sodass ich immerhin die Lehne gefühlte fünf Zentimeter zurückstellen konnte, was gut war, insbesondere da der Flug gleichzeitig auch als meine Schlafgelegenheit für die Nacht herhalten musste, schließlich erreichte er Singapur um 3:20 am Morgen und ich wollte nicht einen halben von drei Tagen verschenken, indem ich mich bis Mittag Schlafen lege.
Da die erste Bahn vom Flughafen in die Stadt allerdings erst um 5:30 fährt, habe ich nach der Ankunft beschlossen noch etwas im Flughafen zu bleiben und zu Skypen. Das führte zu meiner ersten Begegnung mit der totalitären Seite Singapurs. Eine Gruppe Militärpolizisten, inklusive Tarnfleck und Sturmgewehren, fand mich in einer ruhigen Ecke, aus der wohl für eine ganze Weile keine Flüge abgehen sollten, weshalb sie mich freundlich aber bestimmt nach einer Bordkarte gefragt haben. Zwar haben sie sich mit der Erklärung, ich sei vor einer Stunde aus Perth angekommen, zufrieden, aber ich habe mich dann doch vorsichtshalber entschieden mein Gespräch hinter der Einreise nach Singapur, auf der Landseite fortzusetzen. Die Einreise wiederum verlief dann ohne Probleme und war ganz und gar schmerzlos, im Gegensatz etwa zu einer Einreise in die USA.
Das fasst das Gefühl, das Singapur mir vermittelt hat, ganz gut zusammen. Man hat zwar keine unmittelbaren Probleme und Einschränkungen, wird aber beständig über die drakonischen Strafen – Müll auf die Straße werfen $500, auf Drogenschmuggel steht die Todesstrafe und die deutsche Botschaft informiert Einen vorsichtshalber auf ihrer Webseite darüber, dass sie einem da auch nicht weiterhelfen könnte – informiert und fühlt sich durch Polizisten in schmucken Uniformen und vor Allem die allgegenwärtigen Kameras auch ständig beobachtet.
Nicht nur Verbrechen werden bestraft, die Verkehrsbetriebe verbieten zum Beispiel Essen und Trinken und drohen mit einem Bußgeld von mehreren 100 Dollar. In Singapur geht deshalb das Wortspiel um, Singapur sein eine fine (fine bedeutet als Adjektiv gut oder auch schön, als Substantiv gebraucht allerdings Bußgeld) City.
Davon unbeeindruckt, Drogenschmuggel ist eh nicht so mein Ding, machte ich mich mit der dritten Bahn des Tages auf nach Little India, um mein Gepäck im Hostel abzuwerfen und mich für eine Roller- (also so ein Tretding, nicht die motorisierten, die vor allem in Kuala Lumpur noch auftauchen werden) Tour, die das Hostel organisiert, anzumelden. Da diese allerdings erst am späten Nachmittag startete ging es zunächst auf einen, ebenfalls vom Hostel erarbeiteten und auf dessen Webseite veröffentlichtem, Stadtspaziergang um mir einen Eindruck zu verschaffen. Sofort unangenehm war mir das südostasiatische Klima. Bereits um 8 Uhr morgens deutlich über 25 Grad und sehr hohe Luftfeuchtigkeit, sodass die Klamotten innerhalb von Sekunden an mir klebten. Dafür war es aber sehr bedeckt, was aber wohl daran liegt, dass Singapur und auch Kuala Lumpur große Probleme mit Smog, der von Waldbränden in Indonesien verursacht wurden, hatten. Zum Glück war das Schlimmste bei meiner Ankunft aber schon überstanden.
Los ging es in Chinatown.

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Die Chinesen, nicht etwa die Malayen von der Halbinsel an dessen Spitze sich Singapur ja befindet, stellen die größte Bevölkerungsgruppe, was laut dem Guide während der Rollertour auch der Grund war, weshalb Singapur nach dem Rückzug der Briten aus ihrer ehemaligen Kolonie nicht Malaysia beigetreten sind. Die Malaysier wollten die große Zahl Chinesen nicht aufnehmen. Darin liegt vielleicht auch das ständige Bestreben begründet Malaysia zu übertrumpfen. Und wenn man schonmal dabei ist, kann man ja auch das größte, schönste, beste, meiste, teuerste, … machen. Während den Australiern immer die südliche Hemisphäre reicht, muss es in Singapur dann aber auch die Welt sein.
Der Spaziergang führt hauptsächlich an Tempeln der verschiedenen Religionsgemeinschaften vorbei, die hier alle friedlich nebeneinander existieren.

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Wimmelbild, finde drei Gotteshäuser!
Im Buddhatempel wurde gerade ein Heiliger Text verlesen, was laut Aushang den ganzen Tag dauert und einen angenehmen Singsang der Mönche hervorruft.

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Nach den Tempeln ging es dann ins Zentrum der Stadt, dass mal wieder von Wolkenkratzern dominiert wird.

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Durch das Zentrum zieht sich der Singapore River. Am linken Ufer findet sich die Amüsiermeile, während rechts das Parlament und das Asian Civilisation Museum zu finden sind.

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Dem Gegenüber steht das berühmte Fullerton Hotel, eines der wenigen Kolonialgebäude, dass erhalten geblieben ist. Heute beherbergt es ein Luxushotel.

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Das Gebäude selbst reicht aber längst nicht mehr aus, um den Durst nach Luxus zu stillen, sodass das Hotel verschiedene Anbauten bekommen hat. Deshalb verbindet auch ein Tunnel das Hotel mit der Marina Bay, wo man das Wahrzeichen Singapurs, den Merlion zu Gesicht bekommt.

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Außerdem hat man von hier den besten Ausblick auf das Marina Bay Hotel, bekannt für das Schwimmbad auf dem Dach. Ich habe allerdings auf ein Bad verzichtet und das Hotel nur von der Ferne fotografiert.

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Wieder auf der anderen Seite des Fullerton Hotel, entlang des Singapore River, findet sich eine Statue des Begründers des modernen Singapur, Raffles. Im nach ihm benannten Hotel, vor dem ich während der Scootertour fotografiert wurde, wurde auch der berühmte Singapur Sling erfunden.

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Da sich dann doch eine gewisse Müdigkeit sowohl bei mir, als auch bei meinem Telefonakku einstellte, beschloss ich vorerst ins Hostel zurückzukehren, damit wir uns beide für die Rollertour ausruhen konnten.
Die Rollertour am späten Nachmittag führte dann an einer weiteren Moschee vorbei im lokalen Little Arabia.

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Vom dort ging es vorbei am Stadtzentrum und den hier bereits präsentierten Sehenswürdigkeiten zur Marina Bay, die wir diesmal auch umrundeten.

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Von dort ging es in eine Art Park in Richtung Hafen, der ein schönes Panorama über die Stadt bot. Da wir dort ein bisschen Zeit hatten, konnten wir mit unserem einheimischen Guide plaudern. die Anderen brachten das Gespräch dann auch auf die politischen Verhältnisse. Unser Guide meinte aber, dass der seit Gründung regierenden Partei – der derzeitige Regierungschef ist der Sohn des ersten Präsidenten – nie ein Wahlbetrug oder Ähnliches nachgewiesen werden konnte und der Erfolg ihnen ja auch irgendwie Recht gäbe…

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Dort nahmen wir dann auch unser Essen zu uns, echt asiatisch… (Pro Hipstercontent!)

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Als Abschluss der Tour haben wir noch zwei Lichtshows besucht, eine im Park mit seinen bepflanzten Türmen.

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Die Zweite fand in der Bucht vorm Fullerton Hotel statt. Zwar war sie ebenfalls nett anzusehen, aber sie sollte wohl einmal mehr hervorheben, dass Singapur die schönste, beste, tollste Stadt der Welt ist. Unter Anderem verwenden sie als Hintergrundmusik „What a wonderful world“, was vor dem politischen Hintergrund natürlich etwas nordkoreanisch wirkt…

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Der zweite Tag stand ganz im Zeichen der Tiere, es ging in den Singapore Zoo. Das Gelände ist sehr weitläufig eingerichtet und nach Regionen geordnet. Ein Hauptaugenmerk liegt auf Affen.

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Wahrzeichen sind die Orang-Utans, durch deren Gehege ein Weg führt. Man sieht ihnen die Ähnlichkeit zu den Menschen schon teilweise an.

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Ein weiteres Highlight sind die weißen Tieger, wie bei Siegfried und Roy, zumal diese schon recht alt sind und sich, da Bruder und Schwester auch nicht vermehren (sollen). Ansonsten hält auch der Zoo in Singapur nicht mit superlativen hinterm Berg und erwähnt gerne und oft, wenn man die meisten im Zoo Gezüchteten, Einziegen, Ältesten, Größten, etc. hat…

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Sehr cool waren auch die Fledermauskäfige, in denen Batman und einige andere Tiere frei wandeln, während man einem Weg durch den Käfig folgt. Die Fledermäuse sind dabei etwas beängstigend, da sie dank ihrer Echoloten ziemlich schnell ziemlich dicht an einen hereinfliegen. Controlled Flight into Terrain habe ich aber nicht beobachten können…

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Sloth! – Faultier

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Asiatischer Elefant im Hellen, eines von vielen vielen vielen weiteren Tieren.
Um 6 am Abend schließt der Zoo. Doch um 19:30 eröffnet eine Besonderheit, ein weiterer Teil des Zoogeländes, der Nachtzoo. Hier kann man viele nachtaktive Tiere beobachten, zum einen von einem Wanderweg aus, mit dem man 1,5 Stunden beschäftigt ist und mittels einer 40-minütigen Tramfahrt. In Singapur fährt eine Tram aus unerfindlichen Gründen allerdings nicht auf Schienen…
Die Lichtbedingungen machen Fotos natürlich schwierig aber immerhin sind die Temperaturen nach 9 am Abend endlich erträglich.

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Elefant im Dunklen.

Den dritten und letzten Tag in Singapur habe ich dann auf Sentosa Island, einer der Stadt vorgelagerten Insel verbracht. Zu erreichen ist die Insel entweder mit einer Einschienenbahn, einer Seilbahn oder, ganz altmodisch, über einen Plankenweg. Von eben diesem hat meinen einen schönen Überblick über den Hafen und einige der Attraktionen der Insel, die sich selbst als Asiens Lieblingsspielplatz bezeichnet. Vermutlich muss man auch deshalb einen Dollar bezahlen, um überhaupt auf die Insel zu dürfen.

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Hauptattraktion ist ein Vergnügungspark, der sich an die Universal Filmstudios aus Los Angeles anlehnt und Fahrgeschäfte zu Filmen aus eben jenem Studio bietet.

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Da mir aber nicht nach Fahrgeschäften war habe ich mich weiter ins Innere der Insel vorgearbeitet, wo ich auf einen weiteren Merlion gestoßen bin.

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Von dort aus habe ich mich in die Hügel der Insel gewagt. Da Singapur ein Stadtstaat ist, hat man auf der Insel einen Teil der ursprünglichen Fauna belassen, um den Bewohnern etwas Natur zu bieten und einen weiteren Weg in den Baumwipfeln gebaut.

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Zumindest dachte ich, dass man dort Natur belassen hätte. Stellt sich raus, dass auch hier die Natur wohl schon verschwunden oder nicht ansehnlich genug war und man deshalb etwas nachgeholfen hat…

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Durch den „Urwald“ habe ich mich dann bis zur westlichen Spitze der Insel vorgearbeitet, wo sich Fort Siloso befindet. Heute dient es als Paintballarena.

Da ich keine Lust hatte gegen mich selbst Paintball zu spielen, habe ich mich von dort aus auf gemacht, die südlichen Strände der Insel abzulaufen. Dort findet sich auch der südlichste Punkt Kotinentalasiens (höchste, beste schnellste, teuerste…).

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Diese vorgelagerte Sandbank ist mit Sentosa über eine Hängebrücke verbunden, die aber zur Zeit repariert wurde sodass ich den Ort Kontinentalasiens, der Australien am nächsten ist, nicht ganz erreichen konnte.

Etwas befremdlich finde ich, dass man von den einzigen Stränden des Staates aus direkt auf die Öltanker auf dem „Parkplatz“ des Hafens guckt, aber das ließ sich bei der geringen Größe Singapurs wohl nicht anders lösen…

Anschließend ging es für mich wieder ins Zentrum der Insel, um doch noch eines der Fahrgeschäfte der Insel zu betreten – die Seilbahn quer über den Hafen und die Stadt zum gegenüberliegenden Mount Faber. Die Seilbahn ist bis zu 120 Meter hoch, was gut ist. In den 80er Jahren war sie nämlich nur 90 Meter hoch, weshalb die Seile von einer passierenden Ölplattform durchtrennt wurden. Zwei Gondeln stürzten damals in den Hafen. Allerdings gibt es heute ohnehin keinen Schiffsverkehr unter der Seilbahn mehr, da der eigentliche Hafen durch den inzwischen angelegten Plankenweg nach Sentosa Island von der westlichen Zufahrt abgeschnitten ist.

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Blick auf Stadt, Boardwalk und Hafen, kurz nach verlassen der Station auf Sentosa, kurz vor dem höchsten Punkt.IMG_2977

Die Seilbahn hat eine Mittelstation (die erste der Welt, natürlich! Außerdem war die Seilbahn Schauplatz der weltweit (logisch!) ersten Massenhochzeit und die ersten Gondeln der Welt mit Glasboden hatte man natürlich  auch…) im World Trade Center Singapurs.IMG_2983

Auf der anderen Seite dessen geht es dann, wie es sich für eine Seilbahn gehört, zum Gipfel des Berges.

Dort gibt es neben der Aussicht über Stadt und Hafen, einen weiteren Merlion zu finden.

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Die Station auf Mount Faber befindet sich in einem Luxusrestaurant, der Jewel Box (Schmuckkästchen). Dort hängt die Bell of Happines. Sie stammt von einem norwegischen Segelschiff, warum sie aber ausgerechnet in Singapur als Glocke der Glückseligkeit aufgehängt wurde, hat sich mir nicht ganz erschlossen.

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Jedenfalls bin ich dann vom Schmuckkästchen aus mit der Seilbahn wieder nach Sentosa gefahren.

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Der Tag neigte sich auch schon dem Ende zu. Nach einer kurzen, erneut asiatischen, Stärkung und nachdem ich mein Gepäck im Hostel aufgesammelt hatte, ging es zurück zum Flughafen, wo der günstigste Flug meines Lebens anstand. Mit einer A320, dem selben Typ, der mich von Perth nach Singapur gebracht hatte, ging es für 24€ stolze 297 Kilometer weit. Mir war, als ich den Flug gebucht habe, nicht ganz klar gewesen, wie dicht beieinander die beiden Städte sind, erst als im Hostel Bustransfers angeboten wurden, ist mir klar geworden, dass es nicht so weit sein kann…

IMG_2990Der Pfeil weist den Weg!

 
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Verfasst von - Juli 11, 2013 in Uncategorized

 

Im Westen nichts Neues

Wie bereits angekündigt begann meine Weiterreise nach Perth mit einem Deja-vù, schon wieder musste ich viel zu früh zum Flughafen. Die Anreise hat dann aber so reibungslos geklappt und irgendwie waren die bei Virgin Australia auch früh dran, dass ich dann fast eine Stunde vor Abflug schon auf meinem Flugzeugsitz war. Virgin Australia war ohnehin eine gute Wahl, da sie mit Langstreckenflugzeugen nach Perth fliegen (weil man damit mehr Passagiere auf einmal wegbekommt und einen besseren Service bieten kann) hat man eeeecht Platz. So konnte ich ein wenig Schlaf nachholen, zumal ich durch die Zeitverschiebung um 7 abgeflogen bin und dann, nach 4 Stunden Flug, um 9 in Perth ankam. Dort habe ich mich dann direkt auf in die Stadt gemacht. Da ich nicht den teuren Shuttlebus, sondern den normalen Bus benutzt habe, war ich etwas besorgt, ob der Bus wirklich in die richtige Richtung fährt – ich war der Einzige, der am Flughafen eingestiegen ist…
Zum Glück war es die richtige Richtung, sodass ich nach einer Stunde einen ersten Spaziergang durch Perth unternehmen konnte.

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Was sofort auffällt ist, dass sich das Wetter im Vergleich zu Hobart dramatisch verbessert hat. Die gesamte Zeit, die ich in Perth verbracht habe, herrschten 20 Grad und Sonnenschein – und das nennen die da Winter!
Als Zweites fällt auf, dass auch Perth von Wolkenkratzern dominiert wird, in denen hauptsächlich die Rohstofffirmen sitzen, die durch die Minen in Westaustralien stinkend reich werden und Australien in den letzten Jahren, im Vergleich zum Rest der Welt, zu einem wirtschaftlichen Höhenflug verholfen haben.
Das große Gewässer im Vordergrund ist nicht der Indische Ozean, sondern der Swan-River, an dem ich dann auch entlangspaziert bin.

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Schwanen-Glockenturm am Barrack Street Jetty. Von dort ging es immer am Wasser weiter die Esplanade entlang.

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Am Denkmal für die italienischen Einwanderer habe ich mich dann wieder von der Esplanade getrennt und mich zum Garten der Königin („Queens Garden“) vorgearbeitet. Vermute mal, dass sie den schon länger nicht besucht hat…

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Von dort ging es zurück Richtung Stadtzentrum, um endlich im Hostel einzuchecken.

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Rathaus, ein Hauch von Köpenick.
Den Abend des erstenTages habe ich dann im Kings Park mit Studien der Skyline während des Sonnenuntergangs verbracht. Der Einfachheit halber mal nur das Erste und das Letzte Bild.

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Am nächsten morgen ging es direkt wieder zurück in den Kings Park, um diesen ein wenig genauer zu erkunden.
Als erstes Ziel hatte ich mir den Treetop-Walk, einen Weg auf Höhe der Baumkronen herausgesucht. Auf dem Weg dorthin bin diesem ungewöhnlichen Baum und einer weiteren Aussicht über den Swan-River begegnet.

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Danach ging es in die Baumwipfel. Der Ausblick war ganz nett aber leider bin ich keinen Koalas begegnet, Warentester daran liegt, dass da zu viele Touristen vorbei kommen oder, dass da die falschen Bäume stehen – Koalas mögen nur Eukalyptus und auch davon nur einige wenige Arten.

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Keine Angst, ich bin nicht wirklich gefallen, das ist nur mein verunglückter Versuch zu zeigen, dass ich die Baumkrone anfassen kann.
Von den Baumwipfeln aus ging es weiter entlang des Laufes des Swan-River, immer etwas erhöht auf dem Mount Eliza, auf dem sich Kings Park befindet. Park ist ohnehin ein etwas komischer Begriff, in Australien meint das teilweise auch größere Flächen, die bis auf einige Wege als wilder Busch belassen wurden, sodass die Distanzen innerhalb eines Parks recht groß werden können.

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Am anderen Ende des Parkes befindet sich der Campus der University of Western Australia. Eigentlich wollte ich dort nur hin, um 3 Gramm Internet zu stehlen (den Eintrag über Hobart habe ich dort verfasst) aber der Weg hat sich auch Jenseits dessen gelohnt, ich habe eine Architektur vorgefunden, die ich in Australien eher nicht erwartet hätte.

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Vom dritten Tag in Perth gibt es keine Fotos, da ich ihn komplett in der Art Gallery of Western Australia verpasst habe. Eine Woche vor meiner Ankunft sind nämlich die Herren Dali, Monet, Picasso und Co. aus dem MoMa in New York nach Perth gekommen, in einer Ausstellung von Portraits, Landschaften und Stilleben, die insbesondere aufzeigt, wie sich die Genres im Laufe der Zeit weiterentwickelt haben, zum Beispiel von der klassischen gemalten Obstschale zu einem Apfel, der an eine Birne geschraubt wurde und an einem Seil von der Decke hängt.
Auch die Dauerausstellung, die vor allem aus Australischen Werken besteht war sehr interessant, sodass der Tag schnell verging.
Den letzten Tag in Perth habe ich im kleinen Örtchen Fremantle direkt an der Küste des Indischen Ozeans.

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Da die Wolkenkratzer aller in Perth stehen, dominieren koloniale Gebäude den Ort.

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Die wichtigste Sehenswürdigkeit in Fremantle, wie so oft in Australien, ist ein Gefängnis.

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Das Fremantle Prison, eines der berüchtigtsten des gesamten British Empire, wurde 1850 von den Briten für Convicts, die nachdem sie als Strafe nach Australien transportiert wurden erneut straffällig geworden sind, angelegt und bis 1991 als Hochsicherheitsgefängnis genutzt. Kurz vor der Schließung wurde den Gefangenen erlaubt die Wände zu bemalen, was in den 149 Jahren zuvor natürlich nicht gestattet war.

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Nach der Tour im Gefängnis habe ich mich in Richtung Indischer Ozean bewegt, dem Duft der Freiheit wegen. Dort findet sich die Shipwreck Gallery, in der Fundstücke von Schiffen, die vor der offensichtlich komplizierten australischen Westküste gesunken sind.

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Hier findet sich der vielleicht erste Europäer, der je den australischen Kontinent betreten hat. Er ist eines der Opfer einer Meuterei auf dem Schiff Batavia der holländischen East India Company. Teile des Wracks sind ebenfalls ausgestellt.

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Anschließend ging es aber wirklich zum Ozean.

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Direkt hinter dem Strand sich ein weiteres Gefängnis, das so genante Roundhouse, rundes Haus, befindet, das älteste Gebäude in Western Australia, im Prinzip ein Gefängnis – was sonst? – mit acht Zellen ist.

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In der Zwischenzeit wurde es als Ausguck uns Stellung für den Luftschutz genutzt, da die Australier im zweiten Weltkrieg befürchteten Perth könnte bombardiert werden. Außerdem sollte es immer mal wieder abgerissen werden, wozu es aber nie kam. Inzwischen ist das Gebäude auch geschützt.
Als Abschluss der Besichtigungen ging es ins Marine-Museum, das sich den Schiffen widmet, die nicht an der Küste gescheitert sind. Hauptaugenmerk sind natürlich die Einwandererschiffe sowie der Americas Cup, das berühmteste Segelrennen der Welt, dass, nachdem ein australisches Schiff im Vorjahr gewonnen hatte, in Fremantle ausgetragen wurde.

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Wie alles in Australien schloss auch das Marinemuseum um 5 Uhr Nachmittags. Für mich war der Tag aber noch lange nicht beendet, nach einem kurzen Zwischenstopp am Hostel, um einen Teil meines Gepäcks einzusammeln – den Teil der Sachen, die ich erstmal nicht mehr brauchen würde, durfte ich netterweise für ein paar Tage dort lagern – ging es, endlich mal nicht viel zu früh, zum Flughafen. Dort stand der nächste Teil meiner Reise an, diesmal abseits des australischen Kontinents – Singapur

 
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Verfasst von - Juli 9, 2013 in Uncategorized

 

Schlaflos nach Hobart (und zurück)

Schlaf wird ja auch allgemein überbewertet.
Da sich die Wege der Austauschstudenten nun langsam aber sicher trennen, haben wir uns am Montag noch ein letztes Mal in „European Beer Café“ getroffen. Leider bin ich etwas länger da geblieben, trotz eines sehr früh morgendlichen Abfluges gen Hobart…
Kurz vor 5 verließ ich also das Haus und machte mich, zusammen mit drei anderen Studenten, mit Jetstar auf nach Tasmanien. Da der Flug, vor allem für Australische Verhältnisse, eher kurz ist, waren wir um 10 bereits in Besitz eines kleinen roten Mietwagens und auf dem Weg nach Richmond, einem kleinen Örtchen mit einem Labyrinth, dass es zu erkunden galt.

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Minotaurus in der Mitte, den zu finden das „Ziel“ des Labyrinths war.

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Nächster Stopp war die Cadbury-Schokoladenfabrik nahe Hobart. Leider stellte sich diese eher als Enttäuschung heraus. Zwar gab es ein paar „Testexemplare“ zu verköstigen, jedoch keine Führung durch die Fabrik, sondern nur ein etwa 20 minütiges Video, auf dass wir auf noch eine Dreiviertel Stunde gewartet haben (weil uns vorher niemand gesagt hat, dass die „Tour“ nur ein Video ist…).
Lecker wars aber trotzdem…

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Den Nachmittag haben wir dann, nach dem Einchecken in unser Hotel (ja, nicht Hostel, keine Ahnung, warum das billiger als ein Backpacker-Hostel war), in Hobart selbst verbracht. Man merkt der Stadt schon an, dass sie doch eher klein ist und auf Tasmanien noch mehr ab vom Schuss als die Städte auf dem Festland liegt. Trotzdem gibt es einige sehr schöne Ecken, insbesondere um den Salamanca Square, wo sich viele Künstler niedergelassen haben.

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Da Hobart die Hauptstadt des Bundesstaates Tasmanien ist, darf natürlich auch ein Parlament nicht fehlen.

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Die Stadt ist ein Hafen, weshalb sich alles Leben an der „Waterfront“ abspielt.

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Deshalb gab es zum Abschluss des Tages, der aufgrund von Schlafmangel eher früher als Erwartet kam, passenderweise Fish and Chips – was soll man auch sonst auf einer Insel essen, die von Engländern in Beschlag genommen wurde?
Am zweiten Tag ging es zur, neben der Naturschönheit, wohl größten Touristenattraktion Tasmaniens, Port Arthur. Luftlinie gar nicht weit von Hobart entfernt, sind es doch 100 km Fahrt, da die Kolonie strategisch günstig auf einer Halbinsel mit nur einem sehr engen Isthmus liegt. Strategisch günstig deshalb, da in Port Arthur Strafgefangene gehalten wurden. Wobei man dazusagen muss, dass die meisten Siedler in der Frühphase ja ohnehin als Strafe nach Australien verschifft worden waren. In Port Arthur wurden dann diejenigen bestraft, die in der Kolonie erneut Straffällig geworden sind – also eher Überzeugungstäter…
Heute ist vom Gefängnis nichts mehr übrig, nur Ruinen der Kaserne der Soldaten, die die Gefangen bewachen sollten, sowie die Kirche und einige andere Funktionsgebäude. Trotzdem hat man für die Strafgefangen ein sehr hübsches Plätzchen ausgesucht…

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Nach einer kurzen Führung, die einen Abriss über die Geschichte des Ortes gegeben hat, war viel Zeit um durch die ganzen Orte zu stromern und sie zu erkunden. Insgesamt war das Museum ganz interessant gemacht, so gab es zum Beispiel für jeden Besucher eine Spielkarte, die wiederum einem ehemaligen Insassen zugeordnet ist, dessen Geschichte man im Visitorcenter nachverfolgen kann.
Ebenfalls im Eintritt enthalten war eine kurze Rundfahrt durch die Bucht vor Port Arthur, die noch einmal die Schönheit des Ortes unterstrichen hat.

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Während der Fahrt sind wir dann auf Delfine gestoßen, was natürlich ein besonderes Highlight war. Die waren auch gar nicht schüchtern und haben das Boot regelrecht umschwärmt und sind verspielt auf und ab gehüpft.

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Auf dem Rückweg von Port Arthur Richtung Hobart haben wir dann noch einige Klippen, die mit die höchsten in Australien sein sollen, besucht. Ziemlich beeindruckend.

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Diese „Bucht“ trägt den passenden Namen „Devil’s Kitchen“ (Teufels Küche).

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Der letzte Tag in Hobart startete mit einer Besichtigung der Ältesten Brauerei in Australien, die Cascade-Brauerei.

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Im Gegensatz zu Cadbury gab es hier eine echte, interessante Führung in alle Bereiche.

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Da eine Probe der Erzeugnisse den Abschluss der Führung bildete, war ich plötzlich der Fahrer für den Rest des Tages. Schon etwas verwirrend erstmal, wenn man auf der falschen Seite fahren muss, allerdings kann man sich da gut an den Anderen orientieren. Schlimmer fand ich, dass auch einige Schalter und Hebel Seitenverkehrt eingebaut sind, sodass, immer wenn ich Blinken wollte, erstmal die Scheibenwischer angingen.

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Roter Flitzer auf dem Gipfel – puh!
Weil einfach nur Fahren ja zu einfach gewesen wäre, ging es gleich als erstes Ziel über enge Serpentinenstraßen auf den Mount Wellington, im Brauereibild im Hintergrund zu sehen.
Von dort hatten wir zunächst einen sehr schönen Ausblick.

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Nach kurzer Zeit standen wir dann aber auf einmal in (sic!) einer Wolke, sodass es auf der Bergspitze ziemlich ungemütlich und windig wurde. Deshalb ging es als Abschluss des Besuches auf Tasmanien noch in das Museum of Old and New Art, MONA (Museum für alte und neue Kunst – kein besonders einfallsreicher Name).
Die Austellung selbst war eher modern gehalten, so gab es keine Informationsplaketten, sondern jeder Besucher bekam einen iPod, der einem Informationen und Kommentaren zu den Werken gab. Inhaltlich dominierten eher die modernen Werke, wie zum Beispiel dieser fette Porsche.

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Um 5 mussten wir dann die Ausstellung verlassen. Als Abschluss gönnten wir uns noch ein Abendessen, bevor wir das Auto um 8 am Flughafen abgeben mussten. Leider war unser Jetstar-Rückflug um 2 Stunden verspätet, sodass wir den kleineren Flughafen Hobart länger erkunden konnten, als uns lieb war. Schlussendlich waren wir dann um dreiviertel 1 zurück in Melbourne, was für mich eine weitere recht schlaflose Nacht bedeutete, da mein nächster Flug, weiter nach Perth, bereits um 7 Uhr morgens anstand…

 
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Verfasst von - Juni 29, 2013 in Uncategorized

 

Catch me if you can

Heute geht es auf große Reise, ich melde mich live aus dem Terminal 1 des Flughafens Melbourne!
Zunächst geht es für drei Tage nach Tasmanien, um die Teufel zu Grüßen. Am Donnerstag komme ich dann spät nach Melbourne zurück, nur um, ohne den Flughafen zu verlassen, am Freitag früh nach Perth im äußersten Westen Australiens weiterzufliegen.
Nachdem ich mir vier Tage die Stadt und Umgebung angeguckt habe, geht es am 1. Juli spät Abends weiter nach Singapur, wo ich weitere 3 Tage verbringen will.
Von dort geht es für einen Tag nach Kuala Lumpur, von wo aus es dann am 6. Juli sehr früh morgens wieder zurück nach Perth geht.
Als Abwechslung vom vielen Fliegen geht es am 7. Juli mit dem Indian Pacific nach Adelaide, wo ich am 9. Juli früh ankomme. Nach einem Tag Aufenthalt dort geht es mit einem weiteren Zug nach Melbourne, wo ich am 10. Juli Abends ankomme und mich wohl erstmal erholen muss…
Vorher galt es noch eine etwas unangenehme Sache zu bereinigen. Bis jetzt hatte ich nur ein Visum bis 30. Juli aber einen Rückflug am 13. August.
Gestern hatte ich dann einen Termin beim Departement of Immogration and Citizenship. Zwar musste ich langwierige Formulare ausfüllen und beteuern, dass ich wirklich nicht vorhabe hier zu bleiben oder schwarz zu arbeiten. Außerdem war natürlich noch eine kleine Strafgebühr dalassen…
Aber immerhin, jetzt darf ich bis zum 15. August hier bleiben!

Für die technisch interessierten, Abflugzeiten in Lokalzeit:
25.06.: JQ 703 MEL-HBA 08:05
27.06.: JQ 712 HBA-MEL 21:25
28.06.: VA 677 MEL-PER 07:00
01.07.: TR2717 PER-SIN 21:50
04.07.: AK1822 SIN-KUL 21:20
06.07.: D7 236 KUL-PER 0:05
07.07.: Indian Pacific PER-ADL 11:55
10.07.: The Overland ADL-MEL 07:40

 
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Verfasst von - Juni 25, 2013 in Uncategorized

 

Goldfinger

Nachdem ich eine ganze Weile in Melbourne verbracht und so viel über die Zeit des Goldrauschs und ihre Auswirkungen auf die Entwicklung der Stadt erfahren habe, hatte ich mal wieder Lust auf einen Ausflug aufs Land. Da lag es doch nahe, mal zu schauen, wo das ganze Gold eigentlich herkommt.

Deshalb ging es für mich am letzten Mittwoch früh Morgens auf in das 2 Stunden per Zug entfernte Bendigo. 1851 wurde in den dortigen Hügeln Gold gefunden, die 1855 gegründete Stadt ist ein Ergebnis des daraus resultierenden Goldrausches.

Als Erstes, um mir einen Überblick zu verschaffen, habe ich eine etwa einstündige Runde mit der „Talking Heritage Tram“, einer alten, restaurierten Straßenbahn, die gleichzeitig eine Stadtführung gibt, gedreht. Früher gab es in Bendigo zwei Straßenbahnlinien, heute ist nur noch eine der ehemaligen Strecken übrig und wird nur noch durch die Stadtführungen genutzt. Zum Einsatz kommen restaurierte Fahrzeuge aus ganz Australien.

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Die Endhaltestelle der Tram ist die Deborah Central Mine, eine alte Goldmine, die heute die wohl wichtigste Attraktion von Bendigo ist.

ImageDirekt nach meiner Ankunft in Bendigo hatte ich mir eine Art Kombiticket gekauft, die die Tram und auch den Eintritt zur Mine beinhaltete. Als ich das Ticket kaufte hat die Dame der Touristeninformation in der Mine angerufen und war etwas besorgt, dass trotz mir noch nicht die Mindestgruppengröße für die Tour um 11 erreicht war. Die Mindestgruppengröße liegt bei 2 Personen…

Als ich um 11 an der Mine ankam hatten dann aber doch noch ein paar weitere Touristen ihren Weg zur Mine gefunden, sodass es zu acht 75 Meter unter die Erde ging.

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Dort wird von ehemaligen Kumpeln der Goldabbau erläutert. Auch vor Demonstrationen der ungemein lauten Arbeitsgeräte wird nicht zurückgeschreckt.

ImageDunkel wars!

Anschließend konnte noch ein wenig das Freigelände durchstromert werden, dass auf dem Stand der 1950 stehengeblieben ist. Die meisten Geräte waren jedoch deutlich Älter, oft noch aus dem 19. Jahrhundert, da sie in der Region von Mine zu Mine gezogen sind.

Es gab auch Wannen in denen man mit Tellern nach Gold suchen konnte. Ich habe sogar kleinste Partikel von glitzernden Dingen gefunden, ob es wirklich Gold ist konnte mir aber so richtig niemand sagen. In der Mine selbst gab es eine Stelle an der tatsächlich Gold zu sehen war – hinter Plexiglas, aus Angst vor Diebstählen. Allgemein darf man sich nicht vorstellen, dass dort das Gold klumpenweise ans Tageslicht befördert wurde. In einer Tonne zu Tage gefördertem Granit fanden sich im Schnitt 2 Gramm (!) Gold. Mitthilfe von großen, lauten Maschinen wurde das Gold dann von den anderen Bestandteilen getrennt.

Zu lohnen scheint sich der Goldabbau in Bendigo wohl aber noch, zumindest in Maßen. Es gibt noch 2 aktive Minen in der Gegend.Image

Von der Mine hab ich mich dann, als einziger Fahrgast, mit der Tram zurück ins Zentrum von Bendigo begeben.

ImageDa die Stadt während des Goldrausches ihre wichtigste Boomphase hatte und anschließend an Bedeutung verlor, sind viele Gebäude noch aus der Zeit, was Bendigo zu einem sehr pitoresken Ort macht.

ImageHauptquartier der Bendigo Bank, der letzten „regionalen“ Bank in Australien. Das Dreieckige Gebäude in der Mitte ist das ursprüngliche, links daneben das aktuelle Hauptquartier.

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Bendigos Zentrum wird bestimmt von einem großen und sehr netten Park. In dessen Mitte findet sich ein Turm, wie er in der Hochphase des Goldabbaus hier typisch war. Da musste ich natürlich drauf…Image

 

Sacred Heart Kathedrale, eine der größten in der südlichen Hemisphäre. Nicht schlecht für eine Stadt mit 100.000 Einwohnern.Image

 

Anschließend habe ich mir, auf der Suche nach Nahrung das Zentrum mal genauer angesehen.Image

Rathaus – von innen soll es kräftig mit Gold verziert sein, leider waren jedoch alle Türen verschlossen.ImageHotel Shamrock (Kleeblatt – fast wie in Oehna) – ein hübsches Gebäude aus dem Jahr 1854 und wohl so etwas wie das erste Haus am Platz in Bendigo. Leider nicht im Bild, die irische Flagge auf dem Hotel.

Nach absolvierter Mittagspause im grünen Park ging es dann auf zur nächsten Sehenswürdigkeit. Der Goldrausch hat nicht nur eine Menge europäischer Siedler ins zentrale Victoria gebracht. Auch aus China wanderten viele Goldsucher ein um ihr Glück zu finden. Das nettes kleine Golden Dragon Museum erzählt ihre Geschichten, sowohl aus der Zeit des Goldrausches, in der die chinesischen Minenarbeiter eher unter sich blieben, als auch die Probleme, die sie durch die Xenophobie während der australischen Geschichte immer wieder hatten.

So mussten Chinesen etwa eine Steuer entrichten, wenn sie in Victoria landeten, weshalb viele Chinesen nicht Melbourne sondern Adelaide in South Australia als Ankunftshafen nutzten und von dort nach Bendigo wanderten. Auch später, während der Zeit der White Australia Policy, standen sie vor Problemen, zum Beispiel war es zeitweise für chinesischstämmige australische Staatsbürger nicht möglich, Ehegatten ins Land zu bringen.

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Wichigstes Ausstellungsstück ist der Drache Sun Loong, der mit über 100 Metern – selbst mit Panoramafunktion nicht ganz auf ein Foto zu bekommen –  längste „imperial Dragon“ der Welt. Imperial Dragons sind Drachenkostüme, die beim traditionellen Chinesischen Drachentanz verwendet werden. In Bendigo beteiligt sich die chinesische Gemeinschaft so an den Osterprozessionen.Image

Neben vielen Gegenständen, die die chinesischen Einwanderer aus ihrer Heimat mitbrachten – von Betten über Rikschas bis hin zu Terrakottakriegern ist alles vertreten –  ist auch Sun Loongs Vorgänger Loong ausgestellt, der der älteste Drache der Welt ist und sowohl die Gründung Australiens als auch die Einhundertjahrfeier miterlebt hat. Inzwischen ist er aber in Rente und wird nicht mehr für die Osterfeste verwendet.IMG_2290Im Außenbereich des Museums befinden sich noch ein chinesischer Garten, eine kleinere Version eines Gartens aus der Verbotenen Stadt.Image

Außerdem noch ein chinesischer Tempel, wobei mir nicht ganz klar ist, welcher Religionsgemeinschaft. Das Museum erläuterte, dass in China die Religionen gerne wild gemixt werden und man nicht zwangsläufig nur zu einer Gemeinschaft gehört. In Australien haben viel Einwohner dann auch das Christentum mit in ihren Mix aufgenommen.Image

Abschließend habe ich dann noch einen kleinen Spaziergang unternommen, um mir die Zeit bis zur Abfahrt meines Zuges um kurz nach 5 zu vertreiben. Wie man sieht ist das bereits kurz vor Sonnenuntergang auf der Südhalbkugel – Winterzeit!

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Als Tagesausflug war Bendigo eine nette Abwechslung zum Troubel in Melbourne, vor allem auch, weil es überraschend leer ist. So viel Platz war ich aus der Millionenmetropole gar nicht mehr gewohnt. Allerdings werde ich mich wohl demnächst wieder umgewöhnen müssen, wenn ich mir meine Reiseplanungen so ansehe…

 
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Verfasst von - Juni 24, 2013 in Uncategorized

 

Ned Kelly

Der Name Ned Kelly ist ja schon des Öfteren gefallen und da er mir auch bei meinen aktuelleren Erkundungen immer wieder über den Weg gelaufen ist, will ich an dieser Stelle mal beschreiben, wer er war und warum er hier immer wieder auftaucht.
Geboren 1855 als Sohn irischer Einwanderer war Kelly schon früh im Konflikt mit dem Gesetz. Irgendwann in seiner Jugend gerät er, auf anraten seiner Mutter – die Kelly-Familiy scheint starke kriminelle Gene zu haben – an den Bushranger Harry Power, für den er arbeitet. Zusammen stehlen sie Vieh und begehen Diebstähle.
Nach einigen kleineren Verurteilungen, inklusive einer für das schreiben eines „indecent“, also sittenwidrigen Briefes an deine Dame, wird er im August 1874 zu drei Jahren Haft verurteilt, weil ein gestohlenes Pferd bei ihm gefunden wird, welches er jedoch in gutem Glauben erworben hatte.
Im September 1877 wird er erneut, wegen Trunkenheit, eingesperrt, wobei er das erste mal an die Polizisten Fitzpatrick und Lonigan gerät.
Eben jener Fitzpatrick will am 15. April 1878 Neds Bruder Dan verhaften und – warum nicht Arbeit und Vergnügen verbinden – Neds Schwster Kate Avancen machen. Das kommt beim Rest der Kelly-Family verständlicherweise nicht gut an, sodass der Fitzpatrick übel zugerichtet wird.
Die Kelly-Brüder fliehen gemeinsam mit zwei Freunden und es wird ein erstes Kopfgeld von 100 Pfund auf sie ausgesetzt. Die Mutter wird jedoch zu drei Jahren Haft verurteilt und (mit ihrem neugeborenen Kind) im Melbourne Gaol, dem Gefängnis direkt neben dem heutigen RMIT, eingesperrt.
Auf der Suche nach den Kellys macht eine Gruppe Polizisten halt am Stringybark Creek, zufällig in der Nähe des Camps der Kelly-Gang. Die Gang überfällt die Polizisten und töte drei von vieren, darunter auch Lonigan. Dem Vierten gelingt die Flucht und er berichtet von den Ereignissen. Daraufhin wird das Kopfgeld auf 2000 Pfund erhöht und die Kellys werden für vogelfrei erklärt.
Im Dezember 1878 überfällt die Gang eine Station und erbeutet 2000 Pfund in der örtlichen Bank.
Im Februar 1879 überfallen sie den Ort Jerilderie. Dem örtlichen Bänker übergibt Kelly einen Brief in dem er seine Sicht der Dinge zu den Ereignissen am Stringybark Creek schildert. Er möchte, dass der Brief veröffentlicht wird, was aber erst lange nach seinem Tod geschieht.
Bis Juni 1880 wird das Kopfgeld auf 8000 Pfund angehoben.
Inzwischen hat die Gang den Plan gefasst, im Nordosten von Victoria eine Republik zu gründen. So denken sie einer Strafverfolgung entkommen zu können. Sie ermorden einen Polizeinformanten und „erobern“ den Ort Glenrowan und nehmen die gesamte Bevölkerung im Ort als Geisel. Sie gehen davon aus, dass die Polizei einen Zug (also mit Lok und so) voll Polizisten entsenden würde, sobald sie davon Nachricht erhalten. Deshalb haben sie die Schienen zerstört und hoffen auf ein großes Eisenbahnunglück zuungunsten der herbeieilenden Polizisten. Diese werden jedoch, von der Geisel, die entsandt worden war, um die Nachricht zu verbreiten, gewarnt. Als sie in Glenrowan ankommen beginnt ein Feuergefecht. Während dieses Feuergefechts trägt Ned Kelly eine selbstgebaute Rüstung, die wohl stark zu seinem heutigen Ruhm beiträgt.
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Die Rüstung ist heute, nach einigen Irrungen und Wirkungen, wegen derer auch der zweite Stiefel fehlt, in der State Library of Victoria ausgestellt. Die Bücherei selbst ist auch wegen des Lesesaals durchaus einen Besuch wert.
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Die Mitglieder der Kelly-Gang, alle trugen eine Rüstung, wurden im Kreuzfeuer getötet oder dadurch, dass die Polizei am Ende das Hotel in Brand steckte. Ned Kelly selbst stellte sich vor dem Hotel den Polizisten und lieferte sich eine wilde Schießerei. Er wurde jedoch an den Beinen getroffen, sodass er aufgeben musste und festgenommen wurde.
Am 29. Oktober wird Ned Kelly zum Tode verurteilt und in Melbourne Gaol eingesperrt. Dort trifft er auf seine Mutter, die im Frauentrakt des Gefängnisses immer noch ihre Strafe für den Angriff auf Constable Fitzpatrick verbüßt. Das Gefängnis habe ich natürlich auch besichtigt, immerhin teilt es sich einige Mauern mit meiner Uni hier.
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Am 11. November 1880 wird Ned Kelly gehängt.
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Anschließend, auch etwas makaber, wird eine Totenmaske, ein Abguss seines Kopfes genommen. Die ist in der State Library bis heute ausgestellt.
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Obwohl er ja eigentlich ein Bösewicht ist, ist Ned Kelly für viele Australier zu einer Art Volksheld geworden. Als Grund wird oft seine Tollkünheit genannt und ein wenig auch sein Auflehnen gegen die Obrigkeit, was wohl gut in den Zeitgeist einer entstehenden Nation passte. Außerdem konnten wohl einige Zeitgenossen durchaus nachvollziehen, dass man kriminell wird. Es waren harte Zeiten, da der Goldrauch vorbei war und die Zeit des „Marvelous Melbourne“, der Boom durch die Kinder der reichen Goldgräber, die das viele Geld ihrer Eltern in neue Geschäfte investierten, noch nicht begonnen hatte.
Neben dem bereits erwähnten ersten Spielfilm der Welt von 1906 gab es eine Verfilmung mit Heath Ledger 2003. 1970 war der Stoff ebenfalls verfilmt worden – Ned Kelly selbst wurde gespielt von Mick Jagger!
So ist Ned Kelly inzwischen aus der australischen Popkultur nicht mehr wegzudenken. Jedes Kind kennt die Geschichte der Kelly-Gang und offensichtlich ist es in Ordnung, wenn Kinder so sein wollen, wie der berühmte Bushranger…
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Verfasst von - Juni 20, 2013 in Uncategorized

 
 
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